Therapie

Da die Fähigkeit des Menschen, mit Angst und der damit verbundenen körperlichen Aktivierung auf Bedrohungen und Gefahren zu reagieren, sinnvoll und lebenserhaltend ist, geht es bei der Flugangsttherapie nicht darum, gegenüber Angst immun zu machen. Vielmehr soll Ziel sein, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass Angst bewusst und aktiv kontrolliert werden kann, um in rational betrachtet ungefährlichen Situationen entspannt sein zu können. Erst der Abbau von direkter (Nichtfliegen) und indirekter Angstvermeidung (z.B. übermäßiger Konsum von Alkohol und Beruhigungsmitteln während des Fliegens) macht neue positive Erfahrungen möglich.

Das Programm unserer Seminare führt schrittweise zu diesen Zielen. Nach einer gemeinsamen Analyse der individuellen Flugangstsymptomatik und ihrer Bedingungen erklären unsere Psychologen zunächst den Prozess einer Angstreaktion allgemein und beschreiben detailliert den Aufbau und die Funktionen des vegetativen Nervensystems mit seinen Anteilen sympathisches (aktivierendes) und parasympathisches (entspannendes) Nervensystem. Sie zeigen, wie die Seminarteilnehmer aktiv auf dieses autonome Nervensystem durch Entspannungsübungen Einfluss nehmen können. Besonders erfolgreich ist hierbei die Progressive Muskelentspannung nach E. Jacobson, die auf der Erkenntnis beruht, dass eine entspannte Muskulatur nicht mit Angst oder Stress vereinbar ist.

Unterstützt wird diese Technik durch die Kombination mit Entspannungsatmen (tiefe Bauchatmung anstelle flacher Brustatmung).  Diese auf die körperliche Symptomebene abzielenden Entspannungsmethoden werden ergänzt durch Strategien, die Wahrnehmung und Wahrnehmungs- verarbeitung (kognitive Ebene) beeinflussen sollen.


Ein Pilot gibt alle notwendigen Informationen über Flugzeugtechnik und Fliegen, um die bisherigen Katastrophengedanken der Teilnehmer aufgrund von Wissenslücken oder Fehlinformationen zu reduzieren.

Die Auseinandersetzung mit diesen Themen schafft die Grundlage für das zur Angstbewältigung notwendige Vertrauen und reduziert bisherige inadäquate Gedankenmuster. Da nichts die Angst nachhaltiger verändert als die Konfrontation mit dem bisherigen Angstobjekt verbunden mit neuem Wissen, legen wir auf diesen Teil des Seminars großes Gewicht:

Der Vortrag des Piloten und die gemeinsame Besichtigung eines stehenden Flugzeuges mit "Probesitzen" und Cockpitbesuch sind erste Annäherungen, die Vertrauen schaffen. Ein weiterer Schritt zur Angstreduzierung ist die akustische Simulation eines Fluges mit detaillierten Erklärungen der Fluggeräusche (CD).

Die endgültige Bewältigung wird beim gemeinsamen Abschlussflug auf die Probe gestellt.